Gastbeitrag Walter Stuber

TRBS 2121: Unternehmerverantwortung und Stärkung des Gerüstbaus

Herzlichen Dank an Herrn Walter Stuber, für seinen Gastbeitrag bei Blizzard Gerüstsysteme. Wir freuen uns, dass das Thema Arbeitssicherheit so ernst genommen wird.

Walter Stuber, Geschäftsführer Gemeinhardt Service GmbH

Die TRBS 2121 sorgt unter Gerüstbauern für hitzige Diskussionen. Praktisch kaum umsetzbar, zu aufwändig, erhöht die Kosten, so heißt es. Tatsächlich: Wenn ich Gerüste im Aufbau sehe, entsprechen bestenfalls 20 Prozent den neueren Technischen Regeln zur Betriebssicherheit. Mich macht das fuchsig – aus zwei Gründen. Zum einen müssen wir Unternehmer für die größtmögliche Arbeitssicherheit unserer Mitarbeiter sorgen. Es ist schlicht unsere Fürsorgepflicht. Zum anderen müssen wir als Gewerk gemeinsam handeln und alle eine hohe Qualität liefern. Nur so kommen wir aus der Schmuddelecke raus, dass kräftige Männer – wo sind unsere Azubinen? – für billiges Geld schnell ein Gerüst hinstellen. 

Der Chef ist für die Arbeitssicherheit verantwortlich

Seit mehr als zehn Jahren gibt es die vorlaufenden oder Montagesicherheitsgeländer. Seitdem arbeitet Gemeinhardt Service mit ihnen. Zugegeben, bis März 2019 nicht in jedem Fall. Manchmal war deren Nutzung eine Bedingung unserer Kunden. Automobilindustrie oder amerikanische Auftraggeber etwa haben sehr hohe Sicherheitsstandards. Manchmal haben sich Projektleiter oder Kolonnenführer aufgrund einer Sicherheitsabwägung doch für die PSAgA statt für eine technische Lösung entschieden. Aber seit zwei Jahren ist klar, dass zunächst alle technischen Möglichkeiten ausgereizt werden müssen. Und das finde ich richtig. 

Als Chef von 45 Mitarbeitern, darunter 21 Gerüstbauer sowie neun Azubis, fühle ich mich verantwortlich für deren Sicherheit während der Arbeit. Arbeitsschutz besitzt in unserem Betrieb deshalb einen hohen Stellenwert. Wir geben seit Jahren viel Geld für Schulungen aus. Wir machen Arbeitssicherheit in Besprechungen kontinuierlich zum Thema. Und inzwischen freue ich mich darüber, dass das Thema bei jedem Mitarbeiter gelandet ist und sich die Kollegen gegenseitig unterstützen, falls jemand nachlässig werden sollte. Glauben Sie mir, ich möchte niemals an ein Krankenbett treten oder gar auf eine Beerdigung gehen müssen, mit dem Gefühl, ich hätte etwas verbockt.

Eine Chance gegen Schwarzarbeit und Billiganbieter

Natürlich stehen auch ich und der Betrieb unter dem hohen Preisdruck in der Baubranche. Natürlich sehe ich, dass der Stellenwert der Arbeitssicherheit allgemein noch zu geringgeschätzt wird, angefangen beim Architekten bis zu Gerüstnutzern. Und natürlich bekomme ich viel zu viele Ausschreibungen in die Hände, in denen die Positionen für diese Leistungen schlicht fehlen. Das öffnet Tür und Tor für Dienstleister mit unausgebildeten Hilfskräften und für Schwarzarbeit. Deswegen ist es entscheidend, dass wir Gerüstbauer den Standard der TRBS 2121 einhalten, uns nicht auseinanderdividieren lassen und uns gegenseitig unterbieten, um an Aufträge ranzukommen. 

Ich bin davon überzeugt, dass sich Qualität durchsetzt. Deswegen investieren wir in die Bildung unserer Mitarbeiter, damit sie besser und schneller werden. Wir investieren in die Logistik und das Lager, damit die Arbeitsabläufe schneller und entsprechend kostengünstiger flutschen. Wir investieren in ein Qualitätsmanagementsystem, das uns zwingt kontinuierlich Verbesserungspotentiale zu entdecken. Dazu benötigen wir einen langen Atem und müssen dranbleiben. 

Je mehr Unternehmer im Gerüstbau genauso ticken, umso stärker verändert sich unser Image, umso mehr stärken wir unsere Lobby und verschaffen uns mehr Gehör, etwa bei den ausschreibenden Unternehmen und kontrollierenden Organisationen. Dieser gemeinsame Prozess wäre ein Hebel, um die seriösen Meisterbetriebe von den Preis- und Lohndumpern deutlich zu trennen. 

Wir werden die TRBS 2121 nicht mehr aufweichen können. Wir können sie nur akzeptieren und den Sinn darin verstehen. Dann bietet die Regelung den Qualitätsbetrieben und dem gesamten Gewerk viele Chancen.