Inhalt dieser Seite
- Das Wichtigste auf einen Blick
- Warum wird Hitze auf dem Gerüst zunehmend zum Sicherheitsrisiko?
- Welche Pflichten hat der Arbeitgeber bei Arbeiten in großer Hitze?
- Warum dürfen UV-Strahlung und Hitze nicht verwechselt werden?
- Welche Maßnahmen haben sich in der Praxis auf dem Gerüst bewährt?
- Welche Rolle spielt die Gefährdungsbeurteilung?
- Was bedeutet das konkret für Deinen Betrieb?
- FAQ
- Fazit
Das Wichtigste auf einen Blick
- Hitze erhöht auf dem Gerüst nicht nur die körperliche Belastung, sondern auch das Risiko von Abstürzen und Fehlentscheidungen.
- Ein gesetzliches „Hitzefrei“ auf Baustellen gibt es nicht. Arbeitgeber müssen jedoch im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung geeignete Schutzmaßnahmen festlegen.
- Die BG BAU empfiehlt das TOP-Prinzip: technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen.
- UV-Strahlung und Hitze sind zwei unterschiedliche Gefährdungen und müssen getrennt bewertet werden.
- Arbeitszeiten, Trinkwasserversorgung, Pausenregelungen und Unterweisungen gehören heute zu einem professionellen Hitzeschutzkonzept.
- Gerade auf höheren Gerüstlagen wirken direkte Sonneneinstrahlung, reflektierende Fassaden und körperliche Belastung gleichzeitig auf den Beschäftigten ein.
- Wer Hitzerisiken frühzeitig berücksichtigt, reduziert Ausfallzeiten, verbessert die Arbeitssicherheit und schützt langfristig die Gesundheit seiner Mitarbeiter.
Warum wird Hitze auf dem Gerüst zunehmend zum Sicherheitsrisiko?
Hitze auf dem Gerüst ist längst kein Randthema mehr. Die vergangenen Sommer haben gezeigt, dass Hitzewellen in Deutschland häufiger, länger und intensiver werden. Für den professionellen Gerüstbau bedeutet das eine neue Dimension im Arbeitsschutz.
Während im Büro häufig über warme Räume gesprochen wird, arbeiten Gerüstbauer oftmals mehrere Stunden ohne natürlichen Schatten direkt an der Fassade. Aluminiumbauteile heizen sich auf, dunkle Dachflächen reflektieren zusätzlich Wärme und moderne Glasfassaden verstärken die Sonneneinstrahlung erheblich.
Hinzu kommt die körperliche Belastung. Das Montieren schwerer Bauteile, das Bewegen von Material sowie das permanente Steigen über mehrere Gerüstlagen verlangen dem Körper bereits unter normalen Bedingungen viel ab. Hohe Temperaturen erhöhen den Flüssigkeitsverlust erheblich. Bereits eine geringe Dehydrierung kann Konzentration, Reaktionsfähigkeit und Koordination deutlich verschlechtern.
Gerade auf einem Arbeitsgerüst können wenige Sekunden Unachtsamkeit schwerwiegende Folgen haben. Schwindel, Kreislaufprobleme oder nachlassende Konzentration erhöhen unmittelbar das Absturzrisiko.
Die BG BAU weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass Hitze und UV-Strahlung eigenständige Gefährdungen darstellen und bereits vor Beginn der Sommermonate geeignete Schutzmaßnahmen geplant werden sollten.
Welche Pflichten hat der Arbeitgeber bei Arbeiten in großer Hitze?
Ein häufiges Missverständnis lautet, dass es ab einer bestimmten Außentemperatur automatisch „Hitzefrei“ gibt. Das ist nicht der Fall. Für Arbeiten im Freien existiert keine gesetzlich festgelegte Temperaturgrenze, bei der sämtliche Arbeiten eingestellt werden müssen.
Stattdessen greifen insbesondere:
- Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
- Gefährdungsbeurteilung nach § 5 ArbSchG
- Empfehlungen der BG BAU
- Empfehlungen der DGUV
- UV-Schutzmaßnahmen entsprechend den Vorgaben des Bundesamtes für Strahlenschutz
Der Arbeitgeber ist verpflichtet, sämtliche Gefährdungen zu beurteilen und geeignete Schutzmaßnahmen festzulegen.
Dabei spielen unter anderem folgende Faktoren eine Rolle:
- Lufttemperatur
- direkte Sonneneinstrahlung
- UV-Index
- Luftfeuchtigkeit
- Wind
- körperliche Belastung
- Dauer der Tätigkeit
- Art der ausgeführten Arbeiten
- Möglichkeiten zur Beschattung
Besonders wichtig ist dabei das sogenannte TOP-Prinzip, das von der BG BAU empfohlen wird.
Technische Maßnahmen
Technische Lösungen besitzen grundsätzlich Vorrang.
- schattige Pausenbereiche
- Trinkwasser in unmittelbarer Arbeitsplatznähe
- temporäre Verschattung einzelner Arbeitsbereiche, unter Berücksichtigung der Statik und Windlasten
- Kühlmöglichkeiten für Mitarbeiter
- geeignete Aufenthaltscontainer
Organisatorische Maßnahmen
Gerade im Gerüstbau lassen sich viele Risiken bereits durch eine intelligente Arbeitsorganisation reduzieren.
- Arbeitsbeginn möglichst früh am Morgen
- schwere Montagearbeiten vor die Mittagsstunden legen
- zusätzliche Kurzpausen einplanen
- Tätigkeitswechsel innerhalb der Kolonne ermöglichen
- tägliche Kontrolle der Wetterprognosen
- Einbeziehung der DWD-Hitzewarnungen
- Unterweisungen zum Verhalten bei Hitze durchführen
Persönliche Schutzmaßnahmen
Persönliche Schutzausrüstung bleibt trotz aller technischen Maßnahmen unverzichtbar.
- UV-Schutzkleidung mit langen Ärmeln
- geeignete Kopfbedeckungen bzw. Helmanbauteile mit Nackenschutz
- Sonnenbrillen mit UV-Schutz
- Sonnenschutzmittel für unbedeckte Haut
- ausreichende Flüssigkeitsaufnahme
- Kühlwesten bei besonders belastenden Tätigkeiten
Warum dürfen UV-Strahlung und Hitze nicht verwechselt werden?
In der Praxis werden beide Gefährdungen häufig gleichgesetzt. Tatsächlich handelt es sich jedoch um zwei unterschiedliche Belastungen. Ein bewölkter Sommertag kann trotz angenehmer Temperaturen eine hohe UV-Belastung aufweisen. Umgekehrt kann eine hohe Lufttemperatur auch ohne extreme UV-Strahlung den Kreislauf massiv belasten. Deshalb sollten Betriebe täglich sowohl die Wetterentwicklung als auch den UV-Index berücksichtigen. Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt bereits ab einem UV-Index von 3 geeignete Schutzmaßnahmen.
Welche Maßnahmen haben sich in der Praxis auf dem Gerüst bewährt?
Erfolgreiche Unternehmen verlassen sich nicht auf Einzelmaßnahmen, sondern kombinieren mehrere Schutzkonzepte.
1. Früh starten
Viele Betriebe beginnen ihre Montagearbeiten bereits zwischen 6:00 und 7:00 Uhr. Dadurch werden die körperlich schwersten Arbeiten vor die größte Mittagshitze verlegt.
2. Regelmäßig trinken
Durst ist bereits ein Warnsignal. Empfohlen wird eine regelmäßige Flüssigkeitsaufnahme über den gesamten Arbeitstag hinweg.
3. Pausen intelligent planen
Nicht nur die Anzahl, sondern vor allem die Qualität der Pausen entscheidet. Ein schattiger Container oder Aufenthaltsbereich wirkt deutlich effektiver als eine Pause auf einer sonnigen Gerüstlage.
4. Materialtemperaturen beachten
Geländer, Beläge und Kupplungen aus Aluminium können sich stark aufheizen. Vor allem bei direkter Sonneneinstrahlung sollte der Zustand heißer Bauteile geprüft werden.
5. Warnzeichen ernst nehmen
Folgende Symptome dürfen niemals ignoriert werden:
- Schwindel
- Kopfschmerzen
- Übelkeit
- Muskelkrämpfe
- Konzentrationsprobleme
- ungewöhnliche Müdigkeit
- starkes Schwitzen
- Verwirrtheit
Treten diese Symptome auf, muss die betroffene Person sofort aus der Sonne gebracht und medizinisch beurteilt werden.
Welche Rolle spielt die Gefährdungsbeurteilung?
Die Gefährdungsbeurteilung bildet die Grundlage sämtlicher Schutzmaßnahmen.
Dabei sollte insbesondere geprüft werden:
- Welche Arbeiten finden in direkter Sonne statt?
- Welche Gerüstlagen sind besonders exponiert?
- Wie lange dauern einzelne Arbeitsschritte?
- Wo befinden sich Trinkwasser und Pausenbereiche?
- Welche Rettungsmöglichkeiten bestehen im Notfall?
- Welche Mitarbeiter gehören zu besonders gefährdeten Personengruppen?
Je konkreter diese Fragen beantwortet werden, desto besser lässt sich das Risiko beherrschen.
Wie unterstützt modernes Material die Arbeitssicherheit?
Auch hochwertiges Material trägt indirekt zur Sicherheit bei.
Ein standsicher aufgebautes Fassadengerüst oder ein professionell eingesetztes Rollgerüst ermöglicht effiziente Arbeitsabläufe und reduziert unnötige körperliche Zusatzbelastungen durch Improvisationen oder häufiges Umsetzen.
Bei Blizzard Gerüstsysteme werden sämtliche Systeme konsequent auf den professionellen Baustelleneinsatz ausgelegt. Das Blizzard S70 Fassadengerüstsystem wird seit 2019 kontinuierlich weiterentwickelt. Dank eines Lagerbestands von rund 100.000 bis 150.000 m² sowie eines 48-Stunden-Expressservices können viele Projekte kurzfristig realisiert werden – ein Vorteil, wenn Baustellen aufgrund extremer Wetterlagen flexibel umgeplant werden müssen.
Was bedeutet das konkret für Deinen Betrieb?
Hitze wird den Gerüstbau dauerhaft begleiten. Betriebe sollten deshalb Hitzeschutz nicht als kurzfristige Sommermaßnahme betrachten, sondern als festen Bestandteil ihres Arbeitsschutzmanagements.
Ein professioneller Hitzeschutzplan umfasst:
- tägliche Wetterbeobachtung
- klare Verantwortlichkeiten
- ausreichende Trinkwasserversorgung
- angepasste Arbeitszeiten
- regelmäßige Unterweisungen
- funktionierende Erste-Hilfe-Abläufe
- Dokumentation im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung
Unternehmen, die diese Punkte frühzeitig umsetzen, profitieren von weniger Ausfällen, höherer Arbeitssicherheit und einer besseren Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter.
Kann extreme Hitze Auswirkungen auf den Baustellenablauf haben?
Ja. Anhaltende Hitzeperioden führen immer häufiger dazu, dass Arbeitszeiten angepasst, Tätigkeiten verschoben oder einzelne Arbeiten vorübergehend unterbrochen werden müssen. Das dient in erster Linie dem Schutz der Beschäftigten und der Einhaltung der arbeitsschutzrechtlichen Vorgaben.
Gerade im Gerüstbau lohnt es sich deshalb, nicht nur den Hitzeschutz auf der Baustelle zu planen, sondern auch die wirtschaftlichen Auswirkungen wetterbedingter Einschränkungen im Blick zu behalten. Für viele Betriebe spielt in diesem Zusammenhang auch das Sommerausfallgeld eine wichtige Rolle. Welche Voraussetzungen gelten und wann ein Anspruch bestehen kann, haben wir in einem separaten Fachbeitrag ausführlich erläutert.
Fazit
Hitze auf dem Gerüst entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Thema im Arbeitsschutz. Wer frühzeitig plant, Arbeitsabläufe anpasst und technische, organisatorische sowie persönliche Schutzmaßnahmen konsequent kombiniert, schützt nicht nur seine Mitarbeiter, sondern reduziert gleichzeitig Ausfallzeiten und Unfallrisiken.
Gerade im professionellen Gerüstbau entscheidet häufig nicht die Außentemperatur allein über das Risiko, sondern das Zusammenspiel aus Sonneneinstrahlung, körperlicher Belastung, UV-Strahlung und Arbeitsorganisation.
Unser Tipp: Überprüfe bereits vor Beginn der Sommermonate Deine Gefährdungsbeurteilung und passe Deine Baustellenorganisation rechtzeitig an. So schaffst Du die besten Voraussetzungen für sicheres und effizientes Arbeiten – auch an heißen Tagen.
FAQ
Nein. Eine gesetzliche Temperaturgrenze für Arbeiten im Freien existiert nicht. Entscheidend ist die Gefährdungsbeurteilung sowie die Umsetzung geeigneter Schutzmaßnahmen.
Die BG BAU empfiehlt regelmäßiges Trinken über den gesamten Arbeitstag hinweg. Durst sollte nicht abgewartet werden.
Sie ersetzt keine Schutzkleidung, ergänzt den persönlichen UV-Schutz jedoch sinnvoll an allen unbedeckten Hautstellen.
Der Arbeitgeber muss geeignete Schutzmaßnahmen festlegen und organisieren. Gleichzeitig sind Beschäftigte verpflichtet, diese Maßnahmen einzuhalten und gesundheitliche Beschwerden frühzeitig zu melden.