Gerüstklassen im Überblick

Gerüstbauer sind gefragt und stellen ihr Können in den verschiedensten Einsatzbereichen unter Beweis: vom Einfamilien- und Mehrfamilienhaus über Brücken bis hin zu Hochhäusern. Der Gerüstbau ist aber auch ein anspruchsvoller Job und birgt so manche Risiken. Daher gibt es zahlreiche Regelungen, die du beim Aufstellen und Benutzen eines Gerüsts einhalten musst.

Die Basis dafür bilden die Gerüstklassen, die laut DIN 4420 und der ergänzenden Norm DIN EN 12811 sechs Kategorien umfassen. Sie definieren die Höhen-, Breiten- und Lastklassen eines Gerüsts.

Die Breitenklassen eines Gerüsts

Die Klassifizierung von Bau-, Schutz- und Arbeitsgerüsten umfasst folgende Breitenklassen, die sich schrittweise erhöhen. Du kannst diese Breitenklassen mit allen Lastklassen kombinieren.

W 06: 60 bis 89 cm
W 09: 90 bis 119 cm
W 1,2: 120 bis 149 cm
W 1,5: 150 bis 179 cm
W 1,8: 180 bis 219 cm
W 2,1: 210 bis 239 cm
W 2,4: ab 240 cm

Die Höhenklassen eines Gerüsts

Laut DIN EN 12811-1 gibt es bei Gerüsten zwei unterschiedliche Höhenklassen. Die beiden Klassen unterscheiden sich vor allem in der lichten Durchgangshöhe, deren Begrenzung der obere Querriegel oder ein Gerüstanker- bzw. halter bildet. Liegt die lichte Durchgangshöhe unter 1,90 Meter, geht es um die Höhenklasse H1. Alles, was eine Durchgangshöhe von 1,90 Meter überschreitet, fällt in die Klasse H2. Deutsche Systemgerüste entsprechen meist der Höhenklasse 1.

Die Lastklasse eines Gerüsts

Das wohl wichtigste Unterscheidungskriterium bei der Wahl eines Arbeitsgerüsts ist die Lastklasse. Sie bestimmt, für welche Aufgaben du ein Gerüst einsetzen und wie hoch es belastet werden darf.

Lastklasse 1

Die Lastklasse 1 erlaubt das Begehen eines Gerüsts und auch die Mitnahme von leichten Geräten und von Handwerkszeug. Sie ist für Inspektions- und leichte Wartungsarbeiten ausgelegt. Dabei dürfen jedoch auf den Gerüstdielen keine Baumaterialien abgelegt werden. Die gleichmäßige Lastverteilung ist auf 0,75 kN pro Quadratmeter beschränkt (1 kN/m² entspricht rund 100 kg/m²).

Lastklasse 2

Auch bei der Lastklasse 2 darfst du auf dem Gerüst keine Baustoffe ablegen. Allerdings ist in dieser Klasse das Mitführen von schweren Stemmhämmern, Bohrmaschinen und anderen Handwerkzeugen erlaubt. Die erlaubte Flächenlast pro Quadratmeter beträgt 1,5 kN.

Lastklasse 3

In der Lastklasse 3 darfst du leichte Baustoffe ablegen. Hier gilt eine Flächenlast von 2 kN pro Quadratmeter. Diese Klasse ist unter anderem für Isolierer oder Maler zulässig. Man nennt diesen Gerüsttyp daher auch Malergerüst. Kommt das Material von einem außenstehenden Silo, können auch Verputzer diese Gerüstklassen verwenden. Schwere Säcke mit Fertigputz dürfen auf Gerüsten der Lastklasse 3 nicht abgelegt werden.

Lastklasse 4 bis 6

Ab der Lastklasse 4 muss ein Gerüst mindestens 90 cm breit sein (Gerüstbreite W09). Es handelt sich dabei um ein Maurer- oder Traggerüst. Dank seiner Breite ist eine Passierbreite von 20 cm und mehr auch dann gewährleistet, wenn Baumaterial abgelegt ist. Die Flächenlast liegt bei 3 bis 6 kN/m2 (also 300 bis 600 Kg). Das reicht aus für Zementsäcke, Mörtelwannen, Steinpakete und andere schwere Materialien. Bei dieser hohen Lastklasse musst du weitere Teilflächenlasten einhalten.